Oft unsichtbar und dennoch betroffen: Kinder in Familien mit Sucht- und psychischen Erkrankungen

„Wir werden sichtbar“ ist das Motto der diesjährigen Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien (coa-aktionswoche.de). Es soll darauf aufmerksam machen, dass nicht jedem Kind eine familiäre Belastungssituation angesehen werden kann. Und trotzdem können Pädagog*innen sie unterstützen. 

Eine Suchterkrankung oder eine psychische Erkrankung betrifft niemals nur die erkrankte Person, sondern immer auch ihr familiäres und soziales Umfeld.
Ein häusliches Ungleichgewicht und Unsicherheiten prägen die Kindheit und die weitere Entwicklung von Kindern maßgeblich. Sie sind deutlich häufiger von Armut betroffen und erleben Stigmatisierung sowie Benachteiligung. Viele übernehmen innerhalb ihrer Familien Verantwortung – sowohl für Geschwisterkinder als auch für das betroffene Familienmitglied. Darüber hinaus fühlen sich viele Kinder für die mentale Verfassung des erkrankten Familienmitglieds verantwortlich. Infolge von Unsicherheit, Angst und sozialer Isolation entwickeln sie häufiger stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Nicht jedem Kind ist die Belastung, die es durch die familiäre Situation erfährt, anzumerken. Während einige dem Druck und den negativen Erfahrungen durch aufmerksamkeitsforderndes Verhalten Ausdruck verleihen – etwa durch aggressives Verhalten oder als „Gruppenclown“ –, ziehen sich andere zurück oder übernehmen auch im außerfamiliären Kontext Verantwortung für ihre Mitmenschen und soziale Beziehungen. Die Bedürfnisse und Bedarfe dieser „unsichtbaren Kinder“ werden häufig übersehen. Dies führt dazu, dass sie nicht die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen erhalten und über lange Zeit – oft ein Leben lang – allein mit der Belastung umgehen müssen. Diese Kinder haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln.

Auch Kinder, denen die familiäre Belastung nicht unmittelbar anzumerken ist, können in der Kita gezielte Unterstützung erfahren. Die frühe Stärkung ihrer Resilienz hilft allen Kindern, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen ihres Lebens zu stellen. Entscheidend sind hierbei vier Faktoren:

  • positive Erfahrungen in den Einrichtungen
  • Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Erkennen der eigenen Grenzen
  • stabile Beziehungen zu anderen Kindern und den Mitarbeitenden
  • Bildung.

Diese Schlüsselfaktoren tragen maßgeblich dazu bei, Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung zu stärken und sie langfristig zu befähigen, mit Belastungen umzugehen.

Im Rahmen des Landesprogramms KiPS Prävention NRW möchten wir darum unter anderem Mitarbeitende von Kindertagesstätten in NRW dazu befähigen, betroffene Kinder bei der Stärkung ihrer Resilienz zu unterstützen und sie so für die Herausforderungen in ihrem Leben zu wappnen.

Bei Fragen rund ums Landesprogramm KiPS, senden Sie uns gerne eine E-Mail an kips@belladonna-essen.de oder rufen Sie an unter 0201.24 84 17-2. Alle Infos finden Sie auch unter http://kips.nrw .