Weiterentwicklung des Landesprogramms KIPS Prävention NRW – für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern

Pressemitteilung vom GKV-Bündnis in NRW zur zweiten Förderphase von KiPS Prävention NRW

Das Landesprogramm „KIPS Prävention NRW – Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken“ startet in eine vierjährige Weiterentwicklungsphase (2025–2029). Gefördert wird es gemeinsam vom GKV-Bündnis für Gesundheit in NRW und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW). Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA in Essen übernimmt die fachliche Begleitung und Koordination.

Ziel ist es, die Lebenslagen von Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen eines Elternteils nachhaltig zu verbessern – mit einem klaren Fokus auf das gesamte Familiensystem. KIPS Prävention NRW bietet landesweit Präventionsgruppen, in denen Kinder und Jugendliche altersgerecht begleitet und in ihrer Resilienz gestärkt werden.

Neu: Lebenswelt Kita im Fokus
Künftig wird die Lebenswelt Kita stärker einbezogen: NRW-weit werden Fortbildungen zu Resilienzstärkung und Basiswissen Sucht angeboten, um Fachkräfte frühzeitig zu sensibilisieren und zu schulen.

Familienorientierung als Leitgedanke
Die neue Förderperiode erweitert den bisherigen Kinderfokus hin zu einer ganzheitlichen Familienperspektive. Eltern, Geschwister und weitere Bezugspersonen werden stärker einbezogen, um Beziehungen zu stärken, das Verständnis für die Erkrankung zu erhöhen und die familiäre Resilienz zu fördern.

Stimmen zum Programm

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Wir wollen die Prävention und Gesundheitsförderung von Kindern, die in besonders belasteten Familien aufwachsen, langfristig und kontinuierlich verbessern. Das Landesprogramm ‚KIPS Prävention NRW: Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken` hat sich in diesem Zusammenhang etabliert und stellt ein wichtiges Unterstützungsangebot dar. Das Landesprogramm ist dabei bundesweit Vorreiter. Daher ist es nun der richtige Schritt, das Programm weiterzuentwickeln.“

Michaela Gerritzen, Leitung der Landesfachstelle BELLA DONNA:
„Mit KIPS Prävention NRW schaffen wir sichere, niedrigschwellige Räume, in denen Kinder und Eltern frühzeitig Unterstützung erfahren. Die neue Förderphase ermöglicht es, Angebote noch stärker familienorientiert auszurichten und Fachkräfte landesweit zu vernetzen.“

Sven Sassen, Leitung der Geschäftsstelle des GKV-Bündnis für Gesundheit NRW:
„Das Programm verbindet Prävention, Familienorientierung und kommunale Verantwortung. Wir unterstützen Strukturen, die über die Projektlaufzeit hinauswirken und in die kommunale Gesundheitsförderung integriert werden können.“

Fortführung und Weiterentwicklung
Die neue Förderphase knüpft an die erfolgreiche Arbeit seit 2020 an und setzt folgende Schwerpunkte:

  • familienorientierte Gruppen- und Beratungsangebote
  • stärkere Vernetzung zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitswesen
  • Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Fachkräfte
  • standardisierte Qualitäts- und Evaluationsprozesse
  • Fortbildungen in der Lebenswelt Kita zur Resilienzstärkung, inkl. pädagogischer Methoden, Basiswissen zu Sucht und psychischen Erkrankungen sowie Hinweisen zu Elterngesprächen

Ziel ist es, KIPS Prävention NRW langfristig als festen Bestandteil einer kommunal verankerten Präventionslandschaft in Nordrhein-Westfalen zu etablieren.

Hintergrund
KIPS Prävention NRW wird seit 2020 umgesetzt und richtet sich an Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Das Programm ist an zahlreichen Standorten in Nordrhein-Westfalen etabliert und trägt dazu bei, Kinder zu stärken, Familien zu entlasten und Fachkräfte zu vernetzen. Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW in Essen übernimmt Programmsteuerung, Koordination sowie fachliche Beratung und Fortbildung der Projektstandorte.

Weitere Informationen unter: www.kips.nrw

Pressekontakt/Geschäftsstelle GKV-Bündnis für Gesundheit:

  • Ansprechpartner:
    Georg Stamelos, Pressesprecher
    Tel.: 0201/179 1516
    Mobil: 0152 28875975
    E-Mail: Georg.Stamelos@bkk-nordwest.de
  • Ansprechpartner:
    Sven Sassen, Leitung Geschäftsstelle GKV-Bündnis für Gesundheit in NRW
    c/o BKK-Landesverband NORDWEST
    Tel.: 0201/179– 1537
    Mobil: 0152 28875920
    E-Mail: sven.sassen@bkk-nordwest.de

Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW:

  • Pressekontakt:
    Dorothee Kuckhoff, Koordinatorin des Landesprogramms KIPS Prävention NRW
    Tel.: 0201/24 84 17-2
    E-Mail: d.kuckhoff@belladonna-essen.de
  • Fachliche Ansprechperson:
    siehe oben

Oft unsichtbar und dennoch betroffen: Kinder in Familien mit Sucht- und psychischen Erkrankungen

„Wir werden sichtbar“ ist das Motto der diesjährigen Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien (coa-aktionswoche.de). Es soll darauf aufmerksam machen, dass nicht jedem Kind eine familiäre Belastungssituation angesehen werden kann. Und trotzdem können Pädagog*innen sie unterstützen. 

Eine Suchterkrankung oder eine psychische Erkrankung betrifft niemals nur die erkrankte Person, sondern immer auch ihr familiäres und soziales Umfeld.
Ein häusliches Ungleichgewicht und Unsicherheiten prägen die Kindheit und die weitere Entwicklung von Kindern maßgeblich. Sie sind deutlich häufiger von Armut betroffen und erleben Stigmatisierung sowie Benachteiligung. Viele übernehmen innerhalb ihrer Familien Verantwortung – sowohl für Geschwisterkinder als auch für das betroffene Familienmitglied. Darüber hinaus fühlen sich viele Kinder für die mentale Verfassung des erkrankten Familienmitglieds verantwortlich. Infolge von Unsicherheit, Angst und sozialer Isolation entwickeln sie häufiger stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Nicht jedem Kind ist die Belastung, die es durch die familiäre Situation erfährt, anzumerken. Während einige dem Druck und den negativen Erfahrungen durch aufmerksamkeitsforderndes Verhalten Ausdruck verleihen – etwa durch aggressives Verhalten oder als „Gruppenclown“ –, ziehen sich andere zurück oder übernehmen auch im außerfamiliären Kontext Verantwortung für ihre Mitmenschen und soziale Beziehungen. Die Bedürfnisse und Bedarfe dieser „unsichtbaren Kinder“ werden häufig übersehen. Dies führt dazu, dass sie nicht die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen erhalten und über lange Zeit – oft ein Leben lang – allein mit der Belastung umgehen müssen. Diese Kinder haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln.

Auch Kinder, denen die familiäre Belastung nicht unmittelbar anzumerken ist, können in der Kita gezielte Unterstützung erfahren. Die frühe Stärkung ihrer Resilienz hilft allen Kindern, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen ihres Lebens zu stellen. Entscheidend sind hierbei vier Faktoren:

  • positive Erfahrungen in den Einrichtungen
  • Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Erkennen der eigenen Grenzen
  • stabile Beziehungen zu anderen Kindern und den Mitarbeitenden
  • Bildung.

Diese Schlüsselfaktoren tragen maßgeblich dazu bei, Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung zu stärken und sie langfristig zu befähigen, mit Belastungen umzugehen.

Im Rahmen des Landesprogramms KiPS Prävention NRW möchten wir darum unter anderem Mitarbeitende von Kindertagesstätten in NRW dazu befähigen, betroffene Kinder bei der Stärkung ihrer Resilienz zu unterstützen und sie so für die Herausforderungen in ihrem Leben zu wappnen.

Bei Fragen rund ums Landesprogramm KiPS, senden Sie uns gerne eine E-Mail an kips@belladonna-essen.de oder rufen Sie an unter 0201.24 84 17-2. Alle Infos finden Sie auch unter http://kips.nrw .

Aufruf zur Teilnahme an der bundesweiten Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland!

Aufruf zur Teilnahme an der bundesweiten Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland! Aktuell führt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland durch. Eine Teilnahme ist bis zum 28. Februar 2026 möglich. Wer kann teilnehmen? Es können alle Menschen ab 14 Jahren teilnehmen, die in Deutschland Diskriminierung erfahren haben. Den Fragebogen sowie alle weiteren Informationen zur Umfrage finden Sie hier: https://diskriminierung-umfrage.de/

„Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them.“

„Männer haben Angst, dass Frauen über sie lachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie töten.“ – Margaret Atwood

Patriarchale Gewalt tötet.

Vor hundert Jahren, vor fünfzig Jahren – und noch heute.

Unsere Wut ist kein Selbstzweck. Female Rage erinnert daran: Männer sollten dankbar sein, dass wir Gleichberechtigung fordern – und nicht Rache.

Patriarchale Gewalt tötet.
Patriarchale Gewalt ist strukturell.
Ein System, das Täter schützt – weil sie jung, talentiert, gebildet oder „vielversprechend“ sind.
Doch wer schützt die Menschen, die Gewalt erfahren?
Eine elektronische Fußfessel mag ein Schritt sein.
Was wir wirklich brauchen, ist ein System, das Gewalt weder ermöglicht noch entschuldigt – sondern konsequent verhindert.

Und bitte: „Nicht alle Männer“?
Es sind IMMER Männer.

Strukturelle Gewalt ist kein Einzelfall, sondern ein Muster.
Es geht um Macht. Es geht um Kontrolle.
Patriarchale Gewalt tötet!

Der Gegenwind wird stärker. Weil wir lauter werden!

Unser Wissen, unser Erleben, unsere Reflexion, unsere Wut – das lassen wir uns nicht mehr nehmen.

BELLA DONNA und akzept NRW: Für eine gendersensible und diversitätsorientierte Suchthilfe

Autorinnen: Felia Ricke (BELLA DONNA) & Jessica Czok (akzept NRW)

Am 5. September 2025 fand im Rahmen der Regionalgruppen-Treffen von akzept NRW ein Fachvortrag zum Thema „Gender und Sucht mit dem Fokus auf Frauen“ statt. Referentin war Felia Ricke von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW.

Im Vortrag wurde deutlich, dass Sucht nicht losgelöst von Geschlechterrollen betrachtet werden kann. Frauen*, die Substanzen konsumieren, stehen häufig vor besonderen Herausforderungen, die durch gesellschaftliche Erwartungen, Rollenzuschreibungen und strukturelle Barrieren geprägt sind. Während Männer Substanzen häufiger im öffentlichen Raum nutzen, um Stärke oder Zugehörigkeit zu demonstrieren, greifen Frauen meist im Verborgenen zu Suchtmitteln, etwa um Leistungsfähigkeit zu sichern, Schönheitsideale zu erfüllen oder Belastungen zu kompensieren (Bernard, C. 2016).

Besonders belastend sind für viele suchtbetroffene Frauen zusätzliche Verantwortlichkeiten in Familie und Partnerschaft sowie ein überdurchschnittlich hohes Risiko für sexualisierte Gewalt und Traumatisierungen. Diese Faktoren verstärken die Wahrscheinlichkeit einer Suchterkrankung und erschweren den Zugang zu Hilfe (Gahleitner, S. 2008).

Das bestehende Suchthilfesystem ist historisch stark auf cis-Männer ausgerichtet. Dadurch werden die Bedarfe von Frauen, queeren Personen sowie insbesondere trans, inter und nicht-binären Menschen oftmals nicht angemessen berücksichtigt. Ricke betonte daher die Notwendigkeit gendersensibler und diversitätsorientierter Angebote, die Teilhabe ermöglichen und spezifische Lebensrealitäten in den Blick nehmen.

Abschließend wurde hervorgehoben, dass wissenschaftliche Daten vor allem zur Situation von cis-Frauen vorliegen, während für trans, inter und nicht-binäre Personen weiterhin erhebliche Forschungslücken bestehen.

Die Auseinandersetzung mit Gender und Sucht knüpft unmittelbar an das Leitbild von akzept NRW an. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für eine akzeptierende Drogenarbeit, die Menschenrechte stärkt, Selbstbestimmung respektiert und Gesundheitsschutz fördert. Zentral ist dabei der Einsatz gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung sowie die Entwicklung von Angeboten, die an den tatsächlichen Lebenssituationen der Betroffenen orientiert sind. Vor diesem Hintergrund ist eine gendersensible und diversitätsbewusste Suchthilfe für akzept NRW unverzichtbar, um Solidarität zu leben, Chancengerechtigkeit herzustellen und allen Menschen den Zugang zu passgenauer Unterstützung zu ermöglichen.

Das Wissen um die Lebenslagen von Frauen und queeren Menschen bearbeitet die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW kontinuierlich in Form von Fachvorträgen und weiteren Angeboten. Informationen zu aktuellen Veranstaltungen finden sich unter:

Queere Menschen sind in besonderer Weise von Marginalisierung betroffen, was den Substanzkonsum als Bewältigungsstrategie begünstigen kann. Gleichzeitig fehlen repräsentative Daten, da bisherige Studien meist auf hochselektiven, urbanen Stichproben beruhen – ein Umstand, der die Entwicklung passgenauer Hilfsangebote erschwert (Wolf, G. 2017).

Aus diesem Grund führt die Landesfachstelle derzeit eine Umfrage durch, um weitere Perspektiven und Erfahrungen in die Facharbeit einzubeziehen und bestehende Lücken im Hinblick auf die Bedarfe queerer Menschen zu schließen:

belladonna-umfrage

Frauen*: Wissenschaftliche Daten liegen vor allem zur Situation von cis-Frauen vor.  Für trans, inter und nicht-binäre Personen bestehen weiterhin erhebliche Forschungslücken.


Quellen und weiterführende Literatur:

Bernard, C. (2016): Gender und illegale Drogen: ein Überblick. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 15-44.

Canevascini M. und Kleinhage E. (2023). Stimmen von Müttern mit Suchterkrankung. Stigmatisierung,Herausforderungen und Empfehlungen. Lausanne : Sucht Schweiz.

Covington, S. (2008): Frauen und Sucht, ein traumasensibler Ansatz. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 21-43.

Gahleitner, S. (2008): Sexuelle Gewalterfahrung und ihre Bewältigung von Frauen: Salutogenetische Perspektiven. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 45-64.

Heinzen-Voss, D. und Stöver, H. (Hrsg.): Geschlecht und Sucht: Wie gendersensible Suchtarbeit gelingen kann. Pabst-Verlag.

Korte-Langner, S. (2023): Drogengebrauchende, der Sexarbeit nachgehende Frauen - von der Notwendigkeit frauenspezifischer Schutzräume. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 39-50.

Kost, C. und Schiano, D. (2023): 4Be TransSuchtHilfe -Geschlechtliche Vielfalt in der Suchtberatung. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 50-60.

Pfister, A. (2013): Gendersensibel-diversityorientierte Suchtprävention. Grundlagen und Checkliste für den Schulkontext. Zürich, Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich.

Schigl, B. (2018): Psychotherapie und Gender. Konzepte. Forschung. Praxis. Welche Rolle spielt die Geschlechtszugehörigkeit im therapeutischen Prozess? Springer-Verlag.

Tödte, M. (2016): Einflüsse der feministischen Arbeit auf die Suchthilfe in Deutschland. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 89-100.

Wolf, G. (2017): Substanzgebrauch bei Queers, Dauerthema und Tabu. Reihe: Hirschfeld-Lectures Bd. 12.

9 Fakten zum 9.9. – Internationaler Tag des alkoholgeschädigten Kindes

Am 9. September erinnern wir weltweit an Kinder, die mit den Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft leben. FASD (Fetale Alkoholspektrum-Störungen) ist die häufigste angeborene Behinderung – und gleichzeitig vermeidbar.

Hier sind 9 Fakten, die jede*r kennen sollte:

1. FASD ist unsichtbar – und doch da.
Die meisten Kinder mit FASD sehen äußerlich „gesund“ aus. Die Einschränkungen betreffen vor allem das Gehirn und sind nicht auf den ersten Blick erkennbar.

2. Kein Schluck ist sicher.
Alkohol in der Schwangerschaft wirkt direkt auf das ungeborene Kind. Es gibt keine „sichere Menge“. Jeder Schluck kann Zellen zerstören.

3. FASD ist die häufigste nicht-genetische Behinderung.
In Deutschland werden jedes Jahr schätzungsweise 10.000 Kinder mit FASD geboren.

4. Lebenslang, nicht heilbar.
Die Schädigungen bleiben ein Leben lang bestehen. Mit der richtigen Unterstützung können Betroffene aber gut begleitet werden.

5. FASD bedeutet Vielfalt.
Die Folgen reichen von Lernschwierigkeiten bis hin zu massiven Einschränkungen im Alltag. Jedes Kind ist anders betroffen.

6. Es trifft nicht „nur andere“.
FASD kann in allen Familien vorkommen – unabhängig von Herkunft, Bildung oder Lebensstil.

7. Schuldgefühle helfen nicht – Wissen schon.
Viele Schwangere wissen nicht, wie gefährlich Alkohol für ihr Kind ist. Aufklärung schützt.

8. Prävention ist einfach.
Die einzige sichere Lösung: kein Alkohol in der Schwangerschaft – von Anfang an.

9. Jede*r kann etwas tun.
Ob als Freund*in, Kolleg*in, Ärzt*in oder Familie: Unterstützt Schwangere darin, alkoholfrei zu bleiben, und sprecht offen und wertfrei über FASD.

Neuer Informationsflyer: „Cannabis und Schwangerschaft“ jetzt erhältlich

Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA hat einen neuen Informationsflyer mit dem Titel Cannabis und Schwangerschaft? Das solltest du wissen! veröffentlicht. Die Broschüre richtet sich an schwangere Personen, Fachkräfte, sowie alle, die sich mit dem Thema Cannabiskonsum in der Schwangerschaft auseinandersetzen möchten.

Die Schwangerschaft ist eine sensible Lebensphase, in der viele körperliche, psychische und soziale Veränderungen stattfinden. Gerade in dieser Zeit entstehen häufig Fragen zu gesundheitsrelevantem Verhalten – darunter auch zum Konsum von Cannabis. Der Flyer bietet sachliche, wertfreie und verständliche Informationen zu möglichen Auswirkungen des Cannabiskonsums während Schwangerschaft und Stillzeit.

Ziel der Publikation ist es, zu einer informierten Entscheidungsfindung beizutragen und Hilfsangebote sichtbar zu machen, ohne zu verurteilen.

Flyer kostenfrei erhältlich

Der Flyer ist ab sofort downloadbar und kann bald kostenfrei bei uns vor Ort abgeholt oder postalisch zugesendet werden. Bestellungen sind per E-Mail möglich an:

📧 info@belladonna-essen.de
📦 Max. Bestellmenge: 50 Stück

Für größere Stückzahlen oder Rückfragen zu fachlichen Inhalten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli – „Überdosierung und Drogentod können alle (be)treffen“

Am 21. Juli wird bundesweit der Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende begangen – auch in Essen kommen Betroffene, Angehörige, Unterstützer*innen und Fachkräfte zusammen, um den Verstorbenen zu gedenken und auf Missstände aufmerksam zu machen. Der diesjährige Gedenktag steht unter dem Motto: „Überdosierung und Drogentod können alle (be)treffen“ – eine eindringliche Mahnung, dass jeder Todesfall nicht nur Einzelne, sondern ganze soziale Netzwerke betrifft: Eltern, Partner*innen, Kinder, Freund*innen und Mitarbeitende im Hilfesystem.

Die Ursachen für drogenbedingte Todesfälle sind oft nicht nur die Substanz selbst, sondern auch die Begleitumstände des Konsums: verunreinigte Drogen, mangelnder Zugang zu sterilen Konsumutensilien, fehlende Drogenkonsumräume und große Versorgungslücken – vor allem für Flinta* Personen, Eltern, Menschen im ländlichen Raum oder mit besonderen Bedarfen.

Ein menschenwürdiger Umgang mit Drogengebrauch erfordert daher ein Umdenken: weg von Repression und Abstinenzdruck, hin zu akzeptanzorientierten und lebensrettenden Maßnahmen. Es braucht flächendeckende Substitutionsangebote, Drug-Checking, sichere Konsumräume, die sich dem Bedarf der Konsument*innen anpassen und insgesamt den Ausbau von Harm-Reduction-Strategien. Pragmatische Lösungen müssen her. Genauso wichtig ist die Unterstützung und Sichtbarmachung der Mitbetroffenen – der Menschen, die mit der Trauer und Ohnmacht zurückbleiben.

Der Gedenktag ist Mahnung und Aufruf zugleich: Jeder dieser vermeidbaren Tode ist ein gesellschaftliches Versagen. Es ist Zeit zu handeln – für mehr Schutz, Würde und Leben.

Die Gedenkveranstaltung in Essen findet in der Essener Innenstadt um Burgplatz statt.

Montag, 21. Juli 2025, 13.00 bis 16.00 Uhr

„Und mittendrin die Kinder“ – Die Situation von Kindern in Familien mit Suchtbelastung

Der 15. Mai ist von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag der Familie“ ernannt worden. An diesem Tag werden aktuelle Anliegen von Familien in den öffentlichen Fokus gerückt. Gerade Familien mit Suchtbelastung haben besondere Bedarfe und benötigen Beratung und Unterstützung.  

Wir wissen, dass Kinder, die in Familien mit Suchtbelastung aufwachsen, psychischen Belastungen ausgesetzt sind und ein höheres Risiko haben, später selbst an einer Sucht zu erkranken. Die Suchterkrankung eines Elternteils beeinflusst die Entwicklung, das soziale Verhalten und das Wohlbefinden der Kinder in der Regel negativ. 

Ist ein Familienmitglied von einer Suchterkrankung betroffen, hat dies immer auch einen Einfluss auf die anderen Familienmitglieder, ähnlich wie bei einem Mobilé: Wird ein Element in Schwingung versetzt, beginnt das ganze Mobilé mitzuschwingen. Jedes einzelne Familienmitglied versucht, sich auf die eigene Art und Weise an die Dynamiken in der Familie anzupassen.

Wir schauen auf die Situation der Kinder: Welche Belastungen erleben die Kinder im täglichen Zusammenleben innerhalb ihrer Familie?

Es ist festzustellen, dass es häufig drei ungeschriebene Gesetze gibt, die das Leben in einer suchtbelasteten Familie prägen:

Rede nicht!

Es darf mit niemandem außerhalb der Familie über das gesprochen werden, was in der Familie vor sich geht. Nach außen soll das Bild der „heilen“ Familie aufrechterhalten werden. Themen wie Sucht oder psychische Erkrankungen sind tabuisiert – und werden, aus vielen verschiedenen Gründen, als ein gut gehütetes Familiengeheimnis mitgetragen, das alle spüren aber niemand benennen darf. Die Kinder lernen, ein Lügengebäude aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Eine Folge kann z.B. sein, dass die Kinder niemanden ihrer Freund*innen nach Hause einladen oder ihre sozialen Kontakte stark einschränken.

Vertraue nicht!

Versprechen von Eltern(-teilen) mit Suchtbelastung werden aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder gebrochen, mit der Folge, dass die Kinder sich im Stich gelassen fühlen. Eine Schlussfolgerung kann sein, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen können. Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, fällt ihnen aufgrund dessen tendenziell eher schwer.

Das Verhalten der Eltern weist – je nach Substanz und Konsumverhalten – oft extreme Schwankungen auf. Innerhalb kürzester Zeit können die Kinder erst Zuwendung und dann Abweisung erleben. Durch diese besonderen Familiendynamiken eignen sich die Kinder häufig Copingstrategien an, um sich der Situation zu Hause möglichst gut anpassen zu können: Wie geht es Mama heute? Hat sie gekocht? Muss ich mich kümmern? Muss ich ruhig sein? Ziehe ich mich besser zurück? Ist heute ein „guter Tag“?

Wechselhaftigkeit und Widersprüchlichkeit prägen häufig den Alltag.

Fühle nicht!

Die Erfahrungen der Kinder Zuhause lösen häufig starke Emotionen von Wut, Trauer, Angst und Scham aus. Gleichzeitig wollen oder sollen sie ihre Gefühle unterdrücken, um nach außen ein unauffälliges Familienbild aufrechtzuerhalten. Solch widersprüchliche Situationen können Kinder überfordern und ein Gefühl von Druck, Scham und Angst, oft auch Wut und Hilflosigkeit auslösen. Als Folge ziehen sich einige Kinder völlig zurück, andere reagieren aggressiv, wieder andere wirken nach außen völlig unauffällig und übernehmen die Rolle der Erwachsenen in der Familie. All diese Aspekte tragen dazu bei, dass die kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Wichtig ist es uns hervorzuheben, dass auch Menschen mit einer Suchterkrankung verantwortungsvolle Eltern sein wollen und können. Die primäre Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern, daher ist es wichtig, diese Verantwortung im System Familie zu stärken und zu unterstützen. Hierbei ist es wichtig zu lernen, Hilfen anzunehmen, Scham- und Schuldgefühle zu überwinden, die Verantwortung für sich selbst und die Familie zu übernehmen und sich der Erziehungsverantwortung gegenüber den eigenen Kindern zu stellen.

Was braucht es also?

Die Familien mit Suchtbelastung benötigen Beratung, Begleitung und Stärkung ihrer Ressourcen und Kompetenzen. Es braucht aufeinander abgestimmte, nachhaltige, stigmafreie und wertschätzende Hilfen aller Akteur*innen im Hilfesystem, in dem alle Familienmitglieder ihren Platz finden, mit einer differenzierten Wahrnehmung auf jede Familie.

Queers und Substanzgebrauch – Wir wollen mehr wissen und brauchen Unterstützung!

Queere Menschen sind in der Suchthilfe oft unsichtbar – es fehlen Daten, die ihre spezifischen Bedürfnisse abbilden. Deshalb führen wir derzeit eine Bedarfsabfrage durch. Unser Ziel: besser verstehen, welche Unterstützung queere Menschen brauchen, um passgenaue Angebote und Zugänge zu schaffen.

Die Ergebnisse sollen uns helfen, Lücken zu erkennen und die Suchthilfe inklusiver sowie sensibler zu gestalten.

Gendersensible Suchtarbeit ist essenziell, weil gesellschaftliche Diskriminierung, Minderheitenstress und fehlende Anlaufstellen das Risiko für problematischen Substanzgebrauch erhöhen können. Eine Suchthilfe, die diese Faktoren berücksichtigt, kann Zugänge für alle erleichtern.

🌈Wir freuen uns sehr, wenn Sie unsere Bedarfsumfrage verbreiten und auf Social Media teilen.

Der Fachtag „Queer – Sucht – Selbsthilfe“ bot uns vergangenen Freitag und Samstag eine tolle Möglichkeit, die Umfrage erstmals vorzustellen. An dieser Stelle noch einmal ein großes, herzliches Dankeschön an SHALK NRW für diese Möglichkeit und den tollen Fachtag! 💜

Meldet Sie sich gerne bei uns, wenn wir euch Material zum Auslegen oder für Social Media zukommen lassen dürfen!

Unser Text für Social Media:

Mach mit! 💡 Queer & Substanzkonsum – Wir brauchen deine Stimme!

Queere Menschen erleben in der Suchthilfe oft Barrieren – doch was fehlt genau? Wir von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA wollen das herausfinden und führen eine Umfrage durch. Deine Erfahrungen und Perspektiven helfen uns Lücken zu erkennen und die Suchthilfe inklusiver zu gestalten. Gemeinsam schaffen wir Sichtbarkeit & Veränderung.

👉 Nimm jetzt teil & hilf mit, passende Angebote zu schaffen!

Teilen erwünscht! 🏳️‍🌈💜

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