„Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them.“
„Männer haben Angst, dass Frauen über sie lachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie töten.“ – Margaret Atwood
Patriarchale Gewalt tötet.
Vor hundert Jahren, vor fünfzig Jahren – und noch heute.
Unsere Wut ist kein Selbstzweck. Female Rage erinnert daran: Männer sollten dankbar sein, dass wir Gleichberechtigung fordern – und nicht Rache.
Patriarchale Gewalt tötet. Patriarchale Gewalt ist strukturell. Ein System, das Täter schützt – weil sie jung, talentiert, gebildet oder „vielversprechend“ sind. Doch wer schützt die Menschen, die Gewalt erfahren? Eine elektronische Fußfessel mag ein Schritt sein. Was wir wirklich brauchen, ist ein System, das Gewalt weder ermöglicht noch entschuldigt – sondern konsequent verhindert.
Und bitte: „Nicht alle Männer“? Es sind IMMER Männer.
Strukturelle Gewalt ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Es geht um Macht. Es geht um Kontrolle. Patriarchale Gewalt tötet!
Der Gegenwind wird stärker. Weil wir lauter werden!
Unser Wissen, unser Erleben, unsere Reflexion, unsere Wut – das lassen wir uns nicht mehr nehmen.
Am 5. September 2025 fand im Rahmen der Regionalgruppen-Treffen von akzept NRW ein Fachvortrag zum Thema „Gender und Sucht mit dem Fokus auf Frauen“ statt. Referentin war Felia Ricke von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW.
Im Vortrag wurde deutlich, dass Sucht nicht losgelöst von Geschlechterrollen betrachtet werden kann. Frauen*, die Substanzen konsumieren, stehen häufig vor besonderen Herausforderungen, die durch gesellschaftliche Erwartungen, Rollenzuschreibungen und strukturelle Barrieren geprägt sind. Während Männer Substanzen häufiger im öffentlichen Raum nutzen, um Stärke oder Zugehörigkeit zu demonstrieren, greifen Frauen meist im Verborgenen zu Suchtmitteln, etwa um Leistungsfähigkeit zu sichern, Schönheitsideale zu erfüllen oder Belastungen zu kompensieren (Bernard, C. 2016).
Besonders belastend sind für viele suchtbetroffene Frauen zusätzliche Verantwortlichkeiten in Familie und Partnerschaft sowie ein überdurchschnittlich hohes Risiko für sexualisierte Gewalt und Traumatisierungen. Diese Faktoren verstärken die Wahrscheinlichkeit einer Suchterkrankung und erschweren den Zugang zu Hilfe (Gahleitner, S. 2008).
Das bestehende Suchthilfesystem ist historisch stark auf cis-Männer ausgerichtet. Dadurch werden die Bedarfe von Frauen, queeren Personen sowie insbesondere trans, inter und nicht-binären Menschen oftmals nicht angemessen berücksichtigt. Ricke betonte daher die Notwendigkeit gendersensibler und diversitätsorientierter Angebote, die Teilhabe ermöglichen und spezifische Lebensrealitäten in den Blick nehmen.
Abschließend wurde hervorgehoben, dass wissenschaftliche Daten vor allem zur Situation von cis-Frauen vorliegen, während für trans, inter und nicht-binäre Personen weiterhin erhebliche Forschungslücken bestehen.
Die Auseinandersetzung mit Gender und Sucht knüpft unmittelbar an das Leitbild von akzept NRW an. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für eine akzeptierende Drogenarbeit, die Menschenrechte stärkt, Selbstbestimmung respektiert und Gesundheitsschutz fördert. Zentral ist dabei der Einsatz gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung sowie die Entwicklung von Angeboten, die an den tatsächlichen Lebenssituationen der Betroffenen orientiert sind. Vor diesem Hintergrund ist eine gendersensible und diversitätsbewusste Suchthilfe für akzept NRW unverzichtbar, um Solidarität zu leben, Chancengerechtigkeit herzustellen und allen Menschen den Zugang zu passgenauer Unterstützung zu ermöglichen.
Das Wissen um die Lebenslagen von Frauen und queeren Menschen bearbeitet die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW kontinuierlich in Form von Fachvorträgen und weiteren Angeboten. Informationen zu aktuellen Veranstaltungen finden sich unter:
Queere Menschen sind in besonderer Weise von Marginalisierung betroffen, was den Substanzkonsum als Bewältigungsstrategie begünstigen kann. Gleichzeitig fehlen repräsentative Daten, da bisherige Studien meist auf hochselektiven, urbanen Stichproben beruhen – ein Umstand, der die Entwicklung passgenauer Hilfsangebote erschwert (Wolf, G. 2017).
Aus diesem Grund führt die Landesfachstelle derzeit eine Umfrage durch, um weitere Perspektiven und Erfahrungen in die Facharbeit einzubeziehen und bestehende Lücken im Hinblick auf die Bedarfe queerer Menschen zu schließen:
Frauen*: Wissenschaftliche Daten liegen vor allem zur Situation von cis-Frauen vor. Für trans, inter und nicht-binäre Personen bestehen weiterhin erhebliche Forschungslücken.
Quellen und weiterführende Literatur:
Bernard, C. (2016): Gender und illegale Drogen: ein Überblick. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 15-44.
Canevascini M. und Kleinhage E. (2023). Stimmen von Müttern mit Suchterkrankung. Stigmatisierung,Herausforderungen und Empfehlungen. Lausanne : Sucht Schweiz.
Covington, S. (2008): Frauen und Sucht, ein traumasensibler Ansatz. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 21-43.
Gahleitner, S. (2008): Sexuelle Gewalterfahrung und ihre Bewältigung von Frauen: Salutogenetische Perspektiven. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 45-64.
Heinzen-Voss, D. und Stöver, H. (Hrsg.): Geschlecht und Sucht: Wie gendersensible Suchtarbeit gelingen kann. Pabst-Verlag.
Korte-Langner, S. (2023): Drogengebrauchende, der Sexarbeit nachgehende Frauen - von der Notwendigkeit frauenspezifischer Schutzräume. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 39-50.
Kost, C. und Schiano, D. (2023): 4Be TransSuchtHilfe -Geschlechtliche Vielfalt in der Suchtberatung. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 50-60.
Pfister, A. (2013): Gendersensibel-diversityorientierte Suchtprävention. Grundlagen und Checkliste für den Schulkontext. Zürich, Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich.
Schigl, B. (2018): Psychotherapie und Gender. Konzepte. Forschung. Praxis. Welche Rolle spielt die Geschlechtszugehörigkeit im therapeutischen Prozess? Springer-Verlag.
Tödte, M. (2016): Einflüsse der feministischen Arbeit auf die Suchthilfe in Deutschland. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 89-100.
Wolf, G. (2017): Substanzgebrauch bei Queers, Dauerthema und Tabu. Reihe: Hirschfeld-Lectures Bd. 12.
9 Fakten zum 9.9. – Internationaler Tag des alkoholgeschädigten Kindes
Am 9. September erinnern wir weltweit an Kinder, die mit den Folgen von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft leben. FASD (Fetale Alkoholspektrum-Störungen) ist die häufigste angeborene Behinderung – und gleichzeitig vermeidbar.
Hier sind 9 Fakten, die jede*r kennen sollte:
1. FASD ist unsichtbar – und doch da. Die meisten Kinder mit FASD sehen äußerlich „gesund“ aus. Die Einschränkungen betreffen vor allem das Gehirn und sind nicht auf den ersten Blick erkennbar.
2. Kein Schluck ist sicher. Alkohol in der Schwangerschaft wirkt direkt auf das ungeborene Kind. Es gibt keine „sichere Menge“. Jeder Schluck kann Zellen zerstören.
3. FASD ist die häufigste nicht-genetische Behinderung. In Deutschland werden jedes Jahr schätzungsweise 10.000 Kinder mit FASD geboren.
4. Lebenslang, nicht heilbar. Die Schädigungen bleiben ein Leben lang bestehen. Mit der richtigen Unterstützung können Betroffene aber gut begleitet werden.
5. FASD bedeutet Vielfalt. Die Folgen reichen von Lernschwierigkeiten bis hin zu massiven Einschränkungen im Alltag. Jedes Kind ist anders betroffen.
6. Es trifft nicht „nur andere“. FASD kann in allen Familien vorkommen – unabhängig von Herkunft, Bildung oder Lebensstil.
7. Schuldgefühle helfen nicht – Wissen schon. Viele Schwangere wissen nicht, wie gefährlich Alkohol für ihr Kind ist. Aufklärung schützt.
8. Prävention ist einfach. Die einzige sichere Lösung: kein Alkohol in der Schwangerschaft – von Anfang an.
9. Jede*r kann etwas tun. Ob als Freund*in, Kolleg*in, Ärzt*in oder Familie: Unterstützt Schwangere darin, alkoholfrei zu bleiben, und sprecht offen und wertfrei über FASD.
Neuer Informationsflyer: „Cannabis und Schwangerschaft“ jetzt erhältlich
Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA hat einen neuen Informationsflyer mit dem Titel „Cannabis und Schwangerschaft? Das solltest du wissen!“ veröffentlicht. Die Broschüre richtet sich an schwangere Personen, Fachkräfte, sowie alle, die sich mit dem Thema Cannabiskonsum in der Schwangerschaft auseinandersetzen möchten.
Die Schwangerschaft ist eine sensible Lebensphase, in der viele körperliche, psychische und soziale Veränderungen stattfinden. Gerade in dieser Zeit entstehen häufig Fragen zu gesundheitsrelevantem Verhalten – darunter auch zum Konsum von Cannabis. Der Flyer bietet sachliche, wertfreie und verständliche Informationen zu möglichen Auswirkungen des Cannabiskonsums während Schwangerschaft und Stillzeit.
Ziel der Publikation ist es, zu einer informierten Entscheidungsfindung beizutragen und Hilfsangebote sichtbar zu machen, ohne zu verurteilen.
Flyer kostenfrei erhältlich
Der Flyer ist ab sofort downloadbar und kann bald kostenfrei bei uns vor Ort abgeholt oder postalisch zugesendet werden. Bestellungen sind per E-Mail möglich an:
Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli – „Überdosierung und Drogentod können alle (be)treffen“
Am 21. Juli wird bundesweit der Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende begangen – auch in Essen kommen Betroffene, Angehörige, Unterstützer*innen und Fachkräfte zusammen, um den Verstorbenen zu gedenken und auf Missstände aufmerksam zu machen. Der diesjährige Gedenktag steht unter dem Motto: „Überdosierung und Drogentod können alle (be)treffen“ – eine eindringliche Mahnung, dass jeder Todesfall nicht nur Einzelne, sondern ganze soziale Netzwerke betrifft: Eltern, Partner*innen, Kinder, Freund*innen und Mitarbeitende im Hilfesystem.
Die Ursachen für drogenbedingte Todesfälle sind oft nicht nur die Substanz selbst, sondern auch die Begleitumstände des Konsums: verunreinigte Drogen, mangelnder Zugang zu sterilen Konsumutensilien, fehlende Drogenkonsumräume und große Versorgungslücken – vor allem für Flinta* Personen, Eltern, Menschen im ländlichen Raum oder mit besonderen Bedarfen.
Ein menschenwürdiger Umgang mit Drogengebrauch erfordert daher ein Umdenken: weg von Repression und Abstinenzdruck, hin zu akzeptanzorientierten und lebensrettenden Maßnahmen. Es braucht flächendeckende Substitutionsangebote, Drug-Checking, sichere Konsumräume, die sich dem Bedarf der Konsument*innen anpassen und insgesamt den Ausbau von Harm-Reduction-Strategien. Pragmatische Lösungen müssen her. Genauso wichtig ist die Unterstützung und Sichtbarmachung der Mitbetroffenen – der Menschen, die mit der Trauer und Ohnmacht zurückbleiben.
Der Gedenktag ist Mahnung und Aufruf zugleich: Jeder dieser vermeidbaren Tode ist ein gesellschaftliches Versagen. Es ist Zeit zu handeln – für mehr Schutz, Würde und Leben.
„Und mittendrin die Kinder“ – Die Situation von Kindern in Familien mit Suchtbelastung
Der 15. Mai ist von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag der Familie“ ernannt worden. An diesem Tag werden aktuelle Anliegen von Familien in den öffentlichen Fokus gerückt. Gerade Familien mit Suchtbelastung haben besondere Bedarfe und benötigen Beratung und Unterstützung.
Wir wissen, dass Kinder, die in Familien mit Suchtbelastung aufwachsen, psychischen Belastungen ausgesetzt sind und ein höheres Risiko haben, später selbst an einer Sucht zu erkranken. Die Suchterkrankung eines Elternteils beeinflusst die Entwicklung, das soziale Verhalten und das Wohlbefinden der Kinder in der Regel negativ.
Ist ein Familienmitglied von einer Suchterkrankung betroffen, hat dies immer auch einen Einfluss auf die anderen Familienmitglieder, ähnlich wie bei einem Mobilé: Wird ein Element in Schwingung versetzt, beginnt das ganze Mobilé mitzuschwingen. Jedes einzelne Familienmitglied versucht, sich auf die eigene Art und Weise an die Dynamiken in der Familie anzupassen.
Wir schauen auf die Situation der Kinder: Welche Belastungen erleben die Kinder im täglichen Zusammenleben innerhalb ihrer Familie?
Es ist festzustellen, dass es häufig drei ungeschriebene Gesetze gibt, die das Leben in einer suchtbelasteten Familie prägen:
Rede nicht!
Es darf mit niemandem außerhalb der Familie über das gesprochen werden, was in der Familie vor sich geht. Nach außen soll das Bild der „heilen“ Familie aufrechterhalten werden. Themen wie Sucht oder psychische Erkrankungen sind tabuisiert – und werden, aus vielen verschiedenen Gründen, als ein gut gehütetes Familiengeheimnis mitgetragen, das alle spüren aber niemand benennen darf. Die Kinder lernen, ein Lügengebäude aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Eine Folge kann z.B. sein, dass die Kinder niemanden ihrer Freund*innen nach Hause einladen oder ihre sozialen Kontakte stark einschränken.
Vertraue nicht!
Versprechen von Eltern(-teilen) mit Suchtbelastung werden aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder gebrochen, mit der Folge, dass die Kinder sich im Stich gelassen fühlen. Eine Schlussfolgerung kann sein, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen können. Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, fällt ihnen aufgrund dessen tendenziell eher schwer.
Das Verhalten der Eltern weist – je nach Substanz und Konsumverhalten – oft extreme Schwankungen auf. Innerhalb kürzester Zeit können die Kinder erst Zuwendung und dann Abweisung erleben. Durch diese besonderen Familiendynamiken eignen sich die Kinder häufig Copingstrategien an, um sich der Situation zu Hause möglichst gut anpassen zu können: Wie geht es Mama heute? Hat sie gekocht? Muss ich mich kümmern? Muss ich ruhig sein? Ziehe ich mich besser zurück? Ist heute ein „guter Tag“?
Wechselhaftigkeit und Widersprüchlichkeit prägen häufig den Alltag.
Fühle nicht!
Die Erfahrungen der Kinder Zuhause lösen häufig starke Emotionen von Wut, Trauer, Angst und Scham aus. Gleichzeitig wollen oder sollen sie ihre Gefühle unterdrücken, um nach außen ein unauffälliges Familienbild aufrechtzuerhalten. Solch widersprüchliche Situationen können Kinder überfordern und ein Gefühl von Druck, Scham und Angst, oft auch Wut und Hilflosigkeit auslösen. Als Folge ziehen sich einige Kinder völlig zurück, andere reagieren aggressiv, wieder andere wirken nach außen völlig unauffällig und übernehmen die Rolle der Erwachsenen in der Familie. All diese Aspekte tragen dazu bei, dass die kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Wichtig ist es uns hervorzuheben, dass auch Menschen mit einer Suchterkrankung verantwortungsvolle Eltern sein wollen und können. Die primäre Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern, daher ist es wichtig, diese Verantwortung im System Familie zu stärken und zu unterstützen. Hierbei ist es wichtig zu lernen, Hilfen anzunehmen, Scham- und Schuldgefühle zu überwinden, die Verantwortung für sich selbst und die Familie zu übernehmen und sich der Erziehungsverantwortung gegenüber den eigenen Kindern zu stellen.
Was braucht es also?
Die Familien mit Suchtbelastung benötigen Beratung, Begleitung und Stärkung ihrer Ressourcen und Kompetenzen. Es braucht aufeinander abgestimmte, nachhaltige, stigmafreie und wertschätzende Hilfen aller Akteur*innen im Hilfesystem, in dem alle Familienmitglieder ihren Platz finden, mit einer differenzierten Wahrnehmung auf jede Familie.
Queers und Substanzgebrauch – Wir wollen mehr wissen und brauchen Unterstützung!
Queere Menschen sind in der Suchthilfe oft unsichtbar – es fehlen Daten, die ihre spezifischen Bedürfnisse abbilden. Deshalb führen wir derzeit eine Bedarfsabfrage durch. Unser Ziel: besser verstehen, welche Unterstützung queere Menschen brauchen, um passgenaue Angebote und Zugänge zu schaffen.
Die Ergebnisse sollen uns helfen, Lücken zu erkennen und die Suchthilfe inklusiver sowie sensibler zu gestalten.
Gendersensible Suchtarbeit ist essenziell, weil gesellschaftliche Diskriminierung, Minderheitenstress und fehlende Anlaufstellen das Risiko für problematischen Substanzgebrauch erhöhen können. Eine Suchthilfe, die diese Faktoren berücksichtigt, kann Zugänge für alle erleichtern.
🌈Wir freuen uns sehr, wenn Sie unsere Bedarfsumfrage verbreiten und auf Social Media teilen.
Der Fachtag „Queer – Sucht – Selbsthilfe“ bot uns vergangenen Freitag und Samstag eine tolle Möglichkeit, die Umfrage erstmals vorzustellen. An dieser Stelle noch einmal ein großes, herzliches Dankeschön an SHALK NRW für diese Möglichkeit und den tollen Fachtag! 💜
Meldet Sie sich gerne bei uns, wenn wir euch Material zum Auslegen oder für Social Media zukommen lassen dürfen!
Queere Menschen erleben in der Suchthilfe oft Barrieren – doch was fehlt genau? Wir von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA wollen das herausfinden und führen eine Umfrage durch. Deine Erfahrungen und Perspektiven helfen uns Lücken zu erkennen und die Suchthilfe inklusiver zu gestalten. Gemeinsam schaffen wir Sichtbarkeit & Veränderung.
👉 Nimm jetzt teil & hilf mit, passende Angebote zu schaffen!
Im Anhang leiten wir Ihnen eine Warnmeldung zu Todes- und Intoxikationsfällen mit wahrscheinlicher Beteiligung von synthetischen Opioiden in Bayern weiter. Bitte beachten Sie, dass bisher nur ein Teil dieser Fälle toxikologisch bestätigt ist (fett gedruckt). Wir haben uns dennoch und trotz der bisherigen Beschränkung der Meldungen auf Bayern für die Weiterleitung entschieden, da unwahrscheinlich ist, dass nur bayerische Konsumierende die Substanzen über Online-Shops beziehen.
Wir möchten noch einmal unterstreichen, dass bei einer Intoxikation mit hochpotenten synthetischen Opioiden häufig mehrere Gaben von Naloxon notwendig sind, um die Überdosierung aufzuheben.
Basierend auf den bereits aus Bremen gemeldeten Fällen von mit Nitazenen versetztem Heroin scheint außerdem für Drogenkonsumräume angeraten, Konsumierende darum zu bitten, nach Konsum mind. 15 Minuten auf dem Gelände zu bleiben. In Bremen setzten die bis zur Atemdepression gehenden Symptome teils mit dieser Verzögerung ein. Der Wirkmechanismus ist zurzeit unbekannt.
Sollten Ihnen Intoxikations- oder Todesfälle im Zusammenhang mit synthetischen Opioiden bekannt werden, bitten wir Sie um eine kurze Meldung an news-projekt@ift.de
Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Herzlichen Dank und viele Grüße
das NEWS-Team National Early Warning System
IFT Institut für Therapieforschung gGmbH
Leopoldstr. 175 80804 München Telefon +49 89 36 08 04-0 Telefax +49 89 36 08 04-19 E-Mail: news-projekt@ift.de
Feministischer Kampftag 2025: Widerstand gegen den Rückschritt
Der 8. März 2025 ist nicht nur ein Tag des Feierns feministischer Errungenschaften, sondern auch ein Tag des Widerstands. Wir stehen an einem kritischen Punkt der Geschichte: Der Rechtsruck in vielen Teilen der Welt, im Besonderen in Deutschland, zeigt deutlich, dass das Patriarchat gerade mit aller Kraft zurückschlägt. Erkämpfte Rechte, die als selbstverständlich galten, werden infrage gestellt oder sogar zurückgenommen. Statt eines Fortschritts erleben wir vielerorts einen besorgniserregenden Rückschritt. Seit den Wahlen am 23.Februar ist klar: der Bundestag wird mit 2/3 Männern besetzt sein. Einer von ihnen Friedrich Merz, der mit der Aussage „Wir tun den Frauen damit keinen Gefallen.“ Kritik hervorruft. Hierbei bezieht er sich auf Frauen in Führungspositionen.
Besonders schmerzhaft ist, dass der Paragraph 218, der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland kriminalisiert, weiterhin besteht. Trotz jahrzehntelanger feministischer Kämpfe wurde er nicht abgeschafft – ein klares Zeichen dafür, dass der Körper der Frau immer noch Gegenstand staatlicher Kontrolle ist. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass die Selbstbestimmung über den eigenen Körper auch 2025 keine Selbstverständlichkeit ist.
Doch feministische Kämpfe hören hier nicht auf. In vielen Bereichen, in denen Frauen und marginalisierte Gruppen besonders vulnerabel sind, muss der Kampf weitergehen – so natürlich auch in der Suchthilfe. Gendersensible Suchtarbeit ist ein essenzieller, aber oft übersehener Bestandteil feministischer Politik. Frauen und queere Menschen erleben andere Formen von Substanzkonsum, leben in anderen (vulnerableren) Lebensrealitäten und haben andere Bedürfnisse in der Therapie. Doch patriarchale Strukturen sorgen immer noch dafür, dass ihre spezifischen Probleme nicht ernst genug genommen werden. Wir fordern eine feministische Gesundheitspolitik und kämpfen damit für eine gendersensible Suchthilfe.
Wenn das Patriarchat zurückschlägt, dann auch, weil es sich bedroht fühlt. Jede Bewegung erzeugt eine Gegenbewegung. Unsere Erfolge haben Angst ausgelöst – Angst vor einer Welt, in der Gleichberechtigung keine bloße Utopie ist, sondern Realität werden kann. Das ist unsere Hoffnung und unser Antrieb: Wir sind viele, wir sind laut und wir werden nicht aufhören zu kämpfen. Der feministische Kampftag 2025 ist nicht nur ein Tag des Gedenkens – er ist ein Aufruf zum Widerstand.
Im Jahr 2025 findet wieder die COA-Aktionswoche statt, um Kindern aus Familien mit Suchtbelastung eine Stimme zu geben, dieses Mal unter dem #ICHWERDELAUT (siehe https://coa-aktionswoche.de/).
Jedes fünfte bis sechste Kind in Deutschland wächst mit einem Elternteil mit Abhängigkeitserkrankung auf. Das sind insgesamt drei Millionen Kinder und Jugendliche, wobei davon auszugehen ist, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Ihr Risiko, selbst eine Abhängigkeitserkrankung oder eine andere psychische Krankheit zu entwickeln, ist um ein Vielfaches erhöht. Viele Kinder erleben Verunsicherung und Vernachlässigung, was nachhaltigen Einfluss auf ihre emotionale und soziale Entwicklung nehmen kann. In den betroffenen Familien wird oft nicht über die Erkrankung gesprochen, aus Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung.
Mit der COA-Aktionswoche 2025 vom 16. bis zum 22. Februar soll den Kindern und ihren Familien eine Stimme gegeben werden. Zahlreiche bundesweite Aktionen sollen dazu beitragen, für das Thema zu sensibilisieren und über die Auswirkungen auf das Familiensystem zu informieren. Alle Einrichtungen, Initiativen, freie Träger, Projekte aus der Jugend- und Suchthilfe bzw. der Sucht-Selbsthilfe und ihre Verbände sind dazu eingeladen bei der bundesweiten Aktionswoche mitzumachen.
Die Beratungsstelle BELLA DONNA ist ebenfalls dabei: In Essen findet ein kreatives Frühstücksangebot für betroffene Frauen mit ihren Kindern statt.
Und auch das Landesprogramm KIPS Prävention NRW, finanziert vom GKV-Bündnis für Gesundheit und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen bleibt nicht leise: Unvermindert setzt sich das Landesprogramm für die Kinder und Jugendlichen ein und fördert zahlreiche resilienzstärkende Gruppenangebote quer durch NRW. Die veröffentlichten Ergebnisse der Evaluation von KIPS Prävention NRW zeigen, dass die Angebote wirken.
Was nun gebraucht wird? Eine Stimme für die Kinder und ihre Familien und eine nachhaltige und gesicherte Finanzierung, bundesweit und flächendeckend! Denn eins steht fest: Eltern mit einer Abhängigkeitserkrankung wollen und können gute Eltern sein.