Internationaler Aktionstag für Frauengesundheit: Sucht und das Suchthilfesystem geschlechtergerecht gestalten
Der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit macht deutlich, dass gesundheitliche Versorgung nicht für alle gleich funktioniert. Der Gender Health Gap zeigt sich auch im Suchthilfesystem: Strukturen, Angebote und Forschungsgrundlagen orientieren sich noch zu oft an männlichen Lebensrealitäten – mit Folgen für die Versorgung von Frauen.
Sucht bei Frauen bleibt häufig länger unerkannt. Scham, Angst vor Stigmatisierung und gesellschaftliche Erwartungen – insbesondere an Mütter – erschweren es, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig sind die Ursachen oft komplexer: psychische Belastungen, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sowie die Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf spielen eine große Rolle. Diese Kontexte werden im Suchthilfesystem noch nicht konsequent mitgedacht.
Viele Angebote sind zudem nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten. Es fehlt an traumasensiblen Ansätzen, frauenspezifischen Gruppen, niedrigschwelligen Zugängen, Frauenhausplätzen und praktischer Unterstützung wie Kinderbetreuung während einer Therapie. Auch Übergänge zwischen Hilfesystemen – etwa von der Jugendhilfe, Psychiatrie und Suchthilfe und dem Gewalthilfesystem – sind oft nicht gut genug verzahnt.
Ein geschlechtergerechtes Suchthilfesystem bedeutet daher:
mehr spezialisierte Angebote für Frauen,
bessere Verzahnung von Hilfen,
Abbau von Stigmatisierung,
und mehr Forschung zu geschlechtsspezifischen Verläufen von Sucht.
Der Aktionstag erinnert daran: Suchtversorgung muss die Lebensrealitäten von Frauen ernst nehmen. Nur wenn das Suchthilfesystem geschlechtersensibel ausgerichtet ist, kann es wirklich wirksam und gerecht sein.
17. Mai – Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit
Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit erinnern wir daran, dass Diskriminierung, Gewalt und strukturelle Ausgrenzung für queere Menschen bis heute Realität sind – auch im Gesundheits- und Hilfesystem. Diese Erfahrungen wirken sich unmittelbar auf das Wohlbefinden aus und können mit erhöhtem Substanzkonsum einhergehen, etwa als Bewältigungsstrategie für Stress, Stigmatisierung und Diskriminierung im Alltag.
Gleichzeitig sind viele Angebote der Suchthilfe noch immer zu wenig für die Lebensrealitäten von queeren Menschen sensibilisiert. Fehlendes Wissen über geschlechtliche Vielfalt, heteronormative Annahmen oder diskriminierende Erfahrungen im Hilfesystem können dazu führen, dass Unterstützungsangebote weniger in Anspruch genommen oder frühzeitig abgebrochen werden. Eine diversitätssensible, diskriminierungskritische Suchthilfe ist deshalb kein „Add-on“, sondern eine Voraussetzung für wirksame Unterstützung.
💡 Spoiler: In Kürze veröffentlichen wir den Bericht unserer Studie „Substanzgebrauch bei Queers“ aus der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW, gefördert durch das MAGS NRW. Die Ergebnisse geben wichtige Impulse, um Angebote bedarfsgerechter, inklusiver und zugänglicher zu gestalten.
Familie steht für Zusammenhalt, Geborgenheit, Sicherheit und Unterstützung – doch das ist nicht immer so. Zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai möchten wir auf die Kinder aufmerksam machen, deren Belastungen oft unsichtbar bleiben. Denn der Alltag von Kindern, die in Familien mit Suchtbelastung oder psychischen Erkrankungen aufwachsen, ist häufig geprägt von Unsicherheit, Überforderung und Angst.
Ein Morgen wie jeder andere
Es ist 7:00 Uhr. Clara wird wach und lauscht erst einmal. Ist es heute ruhig? Oder hört sie schon an der Art, wie die Schritte klingen, wie der Tag werden wird? Sie macht sich und ihrer kleinen Schwester Frühstück, leise, um niemanden zu wecken. In der Schule wirkt sie müde, aber sie lächelt. Sie hat gelernt, dass niemand merken darf, wie schwer es manchmal ist.
Nachmittage zwischen Verantwortung und Unsicherheit
Nach der Schule geht Clara direkt nach Hause. Sie weiß nie, was sie erwartet: Ist Mama heute ansprechbar? Klappert es in der Küche und Mama kocht? Oder liegt sie erschöpft im Bett? Muss Clara sich um den Haushalt kümmern, um ihre kleine Schwester, um alles, was eigentlich nicht ihre Aufgabe ist? Sie möchte auch gerne draußen spielen und ihre Freund*innen treffen, aber oft bleibt hierfür kein Raum.
Abende voller Fragen
Während andere Familien gemeinsam zu Abend essen, sitzen Clara und ihre kleine Schwester häufig allein am Tisch. Sie machen gemeinsam Abendbrot, räumen weg und spülen. Sie schauen nach Mama. Sie sorgen sich um sie und Clara fragt sich, ob es morgen anders sein wird. Manchmal ist sie so müde.
Warum wir heute darüber sprechen
Kinder wie Clara tragen Verantwortung, die viel zu groß für ihre Schultern ist.
Zum Internationalen Tag der Familie erinnern wir daran, dass Familie nicht für alle ein sicherer Ort ist. Kinder aus Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchtbelastungen brauchen Aufmerksamkeit, Verständnis und Unterstützung – von uns allen. Wir möchten ihnen heute eine Stimme geben und hervorheben, wie wichtig es ist hinzuschauen und Unterstützung anzubieten. Damit dies gelingt, brauchen wir ein möglichst lückenloses Netz im Hilfesystem – getragen von all den relevanten Akteur*innen der Jugendhilfe, aus dem Gesundheitswesen, den Kitas und den Schulen. Nur gemeinsam können betroffene Kinder erreicht und gestärkt werden.
„Und alle so still“ – Warum feministische Kämpfe noch lange nicht verstummen dürfen
„Es ist gut, dass Frauen Sorgenotstände auffangen, dass sie sich an menschlichen Bedürfnissen orientieren und nicht an Macht, Profit und Wettbewerb. […] Es ist gut, dass sie sanft sind und zugewandt nud unterstützend. […] Frauen sollten sich das nicht abtrainieren, sie sollten nicht aufhören damit […], aber Männer sollten endlich damit anfangen. (Fallwickl, S. 238)
In Mareike Fallwickls Roman Und alle so still legen sich FLINTA * nieder: ihre Körper, ihre Lohnarbeit, ihre Care-Arbeit. Ein Streik, radikal und wortwörtlich. Fiktional – und doch erschreckend nah an einer Realität, in der feministische Forderungen zunehmend abgewehrt, entwertet oder in klischeehafte Debatten um „Teilzeit-Lifestyle“ und vermeintliche Rollenbilder umgedeutet werden. Wenn politische Akteur*inne (hauptsächlich Akteure) dabei Frauen, Töchter, instrumentalisieren, entsteht eine symbolische Bühne, auf der nicht über Gleichberechtigung gesprochen wird, sondern über die Disziplinierung eines normativen Weiblichkeitsbildes „Teilzeit-Lifestyle“.
Dabei stellt sich die Frage: Warum gehen FLINTA* immer wieder auf die Straße? Warum jährlich, warum unermüdlich? Studien der vergangenen Jahre zeigen eine wachsende Kluft: Während sich viele Frauen* progressiv positionieren, entwickeln sich Männer vermehrt in antifeministische – oft verharmlosend als „konservativ“ bezeichnete – Richtungen. Dieses Auseinanderdriften erschwert nicht nur gesellschaftliche Verständigung, sondern öffnet Räume für Abwehr, Abwertung und eine erschreckend stabile Kultur des Täterschutzes. Männer solidarisieren sich häufig miteinander, selbst dann, wenn Vorwürfe sexualisierter Gewalt oder Misogynie im Raum stehen. Opfer-, bzw. Betroffenenschutz bleibt dabei zu oft Randnotiz, wie etwa Debatten rund um prominente Fälle sexualisierter Machtstrukturen zeigen.
Nur wer debattiert über den eigentlich Kern? Wo bleibt ein umfassendes Präventionskonzept? Wo die strukturelle Arbeit, die nicht nur Symptome, sondern Ursachen adressiert?
Prävention bedeutet, Männer in ihrer Sozialisation mitzudenken – und zwar konsequent. Männliche Sozialisation ist kein Naturgesetz, sondern veränderbar. Es bedeutet, nicht nur zu reflektieren, solange es angenehm bleibt oder das eigene Verhalten unberührt ist, sondern auch dort, wo Selbstkritik unbequem wird. Ein gesamtgesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung erfordert, dass diejenigen, die Macht besitzen, diese reflektieren – und verändern.
Wenn Fallwickls Roman also die Flinta* niedergehen lässt, dann ist das nicht Resignation, sondern eine radikale Form des Sichtbarmachens: Ein Innehalten, das zeigt, wie viel Arbeit FLINTA* tagtäglich leisten – und wie viel davon selbstverständlich erwartet wird.
Diese Stille ist ein feministischer Aufschrei.
Ein Aufschrei gegen Sprache, die Gewalt verschleiert. Ein Aufschrei gegen Täterschutz und politische Instrumentalisierung. Ein Aufschrei gegen Strukturen, die das Patriarchat stützen. Und ein Aufschrei dafür, dass feministischer Widerstand nicht verstummen darf – nicht heute, nicht morgen, nicht solange patriarchale Macht versucht, unsere Stimmen zu brechen.
Wen erreichen die Hilfen für Menschen mit Suchtproblematiken in Nordrhein-Westfalen?
Welche Trends zeigen sich in den Drogenkonsumräumen in NRW?
Und wie sieht die Versorgungslage aus?
Antworten auf diese und andere Fragen liefert das Datenportal der Suchtkooperation NRW – zentral, transparent und praxisorientiert.
Es bietet Fachkräften in Kommunen, Träger*innen und Politik einen fundierten Überblick über die aktuellen Daten der Suchthilfestatistik sowie der Statistik der Drogenkonsumräume in NRW.
Grundlage der Suchthilfestatistik sind die jährlich von den Suchthilfeeinrichtungen übermittelten Daten des deutschen Kerndatensatzes 3.0 mit den NRW-spezifischen Ergänzungen. Diese Daten werden durch das Institut für Interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) aufbereitet und bilden ein belastbares Fundament für die Planung, Steuerung und Weiterentwicklung der Suchthilfe. Der Prozess wird durch eine fachliche Unterarbeitsgruppe des Beirats der Suchtkooperation NRW begleitet, in der Vertreter*innen der Freien Wohlfahrtspflege NRW, der Kommunalen Spitzenverbände und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW zusammenarbeiten.
Die Daten der derzeit zwölf Drogenkonsumräume in NRW werden gebündelt ausgewertet und gemeinsam dargestellt.
Im Datenportal lassen sich Trends und Entwicklungen übersichtlich abrufen.
Grafische Darstellungen und verständlich aufbereitete Informationen ermöglichen datenbasierte Entscheidungen für eine zukunftsorientierte Suchthilfe in NRW.
Ziel ist es, die Lebenslagen von Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen eines Elternteils nachhaltig zu verbessern – mit einem klaren Fokus auf das gesamte Familiensystem. KIPS Prävention NRW bietet landesweit Präventionsgruppen, in denen Kinder und Jugendliche altersgerecht begleitet und in ihrer Resilienz gestärkt werden.
Neu: Lebenswelt Kita im Fokus Künftig wird die Lebenswelt Kita stärker einbezogen: NRW-weit werden Fortbildungen zu Resilienzstärkung und Basiswissen Sucht angeboten, um Fachkräfte frühzeitig zu sensibilisieren und zu schulen.
Familienorientierung als Leitgedanke Die neue Förderperiode erweitert den bisherigen Kinderfokus hin zu einer ganzheitlichen Familienperspektive. Eltern, Geschwister und weitere Bezugspersonen werden stärker einbezogen, um Beziehungen zu stärken, das Verständnis für die Erkrankung zu erhöhen und die familiäre Resilienz zu fördern.
Stimmen zum Programm
Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: „Wir wollen die Prävention und Gesundheitsförderung von Kindern, die in besonders belasteten Familien aufwachsen, langfristig und kontinuierlich verbessern. Das Landesprogramm ‚KIPS Prävention NRW: Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken` hat sich in diesem Zusammenhang etabliert und stellt ein wichtiges Unterstützungsangebot dar. Das Landesprogramm ist dabei bundesweit Vorreiter. Daher ist es nun der richtige Schritt, das Programm weiterzuentwickeln.“
Michaela Gerritzen, Leitung der Landesfachstelle BELLA DONNA: „Mit KIPS Prävention NRW schaffen wir sichere, niedrigschwellige Räume, in denen Kinder und Eltern frühzeitig Unterstützung erfahren. Die neue Förderphase ermöglicht es, Angebote noch stärker familienorientiert auszurichten und Fachkräfte landesweit zu vernetzen.“
Sven Sassen, Leitung der Geschäftsstelle des GKV-Bündnis für Gesundheit NRW: „Das Programm verbindet Prävention, Familienorientierung und kommunale Verantwortung. Wir unterstützen Strukturen, die über die Projektlaufzeit hinauswirken und in die kommunale Gesundheitsförderung integriert werden können.“
Fortführung und Weiterentwicklung Die neue Förderphase knüpft an die erfolgreiche Arbeit seit 2020 an und setzt folgende Schwerpunkte:
familienorientierte Gruppen- und Beratungsangebote
stärkere Vernetzung zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitswesen
Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Fachkräfte
standardisierte Qualitäts- und Evaluationsprozesse
Fortbildungen in der Lebenswelt Kita zur Resilienzstärkung, inkl. pädagogischer Methoden, Basiswissen zu Sucht und psychischen Erkrankungen sowie Hinweisen zu Elterngesprächen
Ziel ist es, KIPS Prävention NRW langfristig als festen Bestandteil einer kommunal verankerten Präventionslandschaft in Nordrhein-Westfalen zu etablieren.
Hintergrund KIPS Prävention NRW wird seit 2020 umgesetzt und richtet sich an Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Das Programm ist an zahlreichen Standorten in Nordrhein-Westfalen etabliert und trägt dazu bei, Kinder zu stärken, Familien zu entlasten und Fachkräfte zu vernetzen. Die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW in Essen übernimmt Programmsteuerung, Koordination sowie fachliche Beratung und Fortbildung der Projektstandorte.
Oft unsichtbar und dennoch betroffen: Kinder in Familien mit Sucht- und psychischen Erkrankungen
„Wir werden sichtbar“ ist das Motto der diesjährigen Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien (coa-aktionswoche.de). Es soll darauf aufmerksam machen, dass nicht jedem Kind eine familiäre Belastungssituation angesehen werden kann. Und trotzdem können Pädagog*innen sie unterstützen.
Eine Suchterkrankung oder eine psychische Erkrankung betrifft niemals nur die erkrankte Person, sondern immer auch ihr familiäres und soziales Umfeld. Ein häusliches Ungleichgewicht und Unsicherheiten prägen die Kindheit und die weitere Entwicklung von Kindern maßgeblich. Sie sind deutlich häufiger von Armut betroffen und erleben Stigmatisierung sowie Benachteiligung. Viele übernehmen innerhalb ihrer Familien Verantwortung – sowohl für Geschwisterkinder als auch für das betroffene Familienmitglied. Darüber hinaus fühlen sich viele Kinder für die mentale Verfassung des erkrankten Familienmitglieds verantwortlich. Infolge von Unsicherheit, Angst und sozialer Isolation entwickeln sie häufiger stressbedingte Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten.
Nicht jedem Kind ist die Belastung, die es durch die familiäre Situation erfährt, anzumerken. Während einige dem Druck und den negativen Erfahrungen durch aufmerksamkeitsforderndes Verhalten Ausdruck verleihen – etwa durch aggressives Verhalten oder als „Gruppenclown“ –, ziehen sich andere zurück oder übernehmen auch im außerfamiliären Kontext Verantwortung für ihre Mitmenschen und soziale Beziehungen. Die Bedürfnisse und Bedarfe dieser „unsichtbaren Kinder“ werden häufig übersehen. Dies führt dazu, dass sie nicht die notwendigen Unterstützungsmaßnahmen erhalten und über lange Zeit – oft ein Leben lang – allein mit der Belastung umgehen müssen. Diese Kinder haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln.
Auch Kinder, denen die familiäre Belastung nicht unmittelbar anzumerken ist, können in der Kita gezielte Unterstützung erfahren. Die frühe Stärkung ihrer Resilienz hilft allen Kindern, sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen ihres Lebens zu stellen. Entscheidend sind hierbei vier Faktoren:
positive Erfahrungen in den Einrichtungen
Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Erkennen der eigenen Grenzen
stabile Beziehungen zu anderen Kindern und den Mitarbeitenden
Bildung.
Diese Schlüsselfaktoren tragen maßgeblich dazu bei, Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung zu stärken und sie langfristig zu befähigen, mit Belastungen umzugehen.
Im Rahmen des Landesprogramms KiPS Prävention NRW möchten wir darum unter anderem Mitarbeitende von Kindertagesstätten in NRW dazu befähigen, betroffene Kinder bei der Stärkung ihrer Resilienz zu unterstützen und sie so für die Herausforderungen in ihrem Leben zu wappnen.
Bei Fragen rund ums Landesprogramm KiPS, senden Sie uns gerne eine E-Mail an kips@belladonna-essen.de oder rufen Sie an unter 0201.24 84 17-2. Alle Infos finden Sie auch unter http://kips.nrw .
Aufruf zur Teilnahme an der bundesweiten Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland!
Aufruf zur Teilnahme an der bundesweiten Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland! Aktuell führt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die bislang größte Umfrage zu Diskriminierung in Deutschland durch. Eine Teilnahme ist bis zum 28. Februar 2026 möglich. Wer kann teilnehmen? Es können alle Menschen ab 14 Jahren teilnehmen, die in Deutschland Diskriminierung erfahren haben. Den Fragebogen sowie alle weiteren Informationen zur Umfrage finden Sie hier: https://diskriminierung-umfrage.de/
„Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them.“
„Männer haben Angst, dass Frauen über sie lachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie töten.“ – Margaret Atwood
Patriarchale Gewalt tötet.
Vor hundert Jahren, vor fünfzig Jahren – und noch heute.
Unsere Wut ist kein Selbstzweck. Female Rage erinnert daran: Männer sollten dankbar sein, dass wir Gleichberechtigung fordern – und nicht Rache.
Patriarchale Gewalt tötet. Patriarchale Gewalt ist strukturell. Ein System, das Täter schützt – weil sie jung, talentiert, gebildet oder „vielversprechend“ sind. Doch wer schützt die Menschen, die Gewalt erfahren? Eine elektronische Fußfessel mag ein Schritt sein. Was wir wirklich brauchen, ist ein System, das Gewalt weder ermöglicht noch entschuldigt – sondern konsequent verhindert.
Und bitte: „Nicht alle Männer“? Es sind IMMER Männer.
Strukturelle Gewalt ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Es geht um Macht. Es geht um Kontrolle. Patriarchale Gewalt tötet!
Der Gegenwind wird stärker. Weil wir lauter werden!
Unser Wissen, unser Erleben, unsere Reflexion, unsere Wut – das lassen wir uns nicht mehr nehmen.
Am 5. September 2025 fand im Rahmen der Regionalgruppen-Treffen von akzept NRW ein Fachvortrag zum Thema „Gender und Sucht mit dem Fokus auf Frauen“ statt. Referentin war Felia Ricke von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW.
Im Vortrag wurde deutlich, dass Sucht nicht losgelöst von Geschlechterrollen betrachtet werden kann. Frauen*, die Substanzen konsumieren, stehen häufig vor besonderen Herausforderungen, die durch gesellschaftliche Erwartungen, Rollenzuschreibungen und strukturelle Barrieren geprägt sind. Während Männer Substanzen häufiger im öffentlichen Raum nutzen, um Stärke oder Zugehörigkeit zu demonstrieren, greifen Frauen meist im Verborgenen zu Suchtmitteln, etwa um Leistungsfähigkeit zu sichern, Schönheitsideale zu erfüllen oder Belastungen zu kompensieren (Bernard, C. 2016).
Besonders belastend sind für viele suchtbetroffene Frauen zusätzliche Verantwortlichkeiten in Familie und Partnerschaft sowie ein überdurchschnittlich hohes Risiko für sexualisierte Gewalt und Traumatisierungen. Diese Faktoren verstärken die Wahrscheinlichkeit einer Suchterkrankung und erschweren den Zugang zu Hilfe (Gahleitner, S. 2008).
Das bestehende Suchthilfesystem ist historisch stark auf cis-Männer ausgerichtet. Dadurch werden die Bedarfe von Frauen, queeren Personen sowie insbesondere trans, inter und nicht-binären Menschen oftmals nicht angemessen berücksichtigt. Ricke betonte daher die Notwendigkeit gendersensibler und diversitätsorientierter Angebote, die Teilhabe ermöglichen und spezifische Lebensrealitäten in den Blick nehmen.
Abschließend wurde hervorgehoben, dass wissenschaftliche Daten vor allem zur Situation von cis-Frauen vorliegen, während für trans, inter und nicht-binäre Personen weiterhin erhebliche Forschungslücken bestehen.
Die Auseinandersetzung mit Gender und Sucht knüpft unmittelbar an das Leitbild von akzept NRW an. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung für eine akzeptierende Drogenarbeit, die Menschenrechte stärkt, Selbstbestimmung respektiert und Gesundheitsschutz fördert. Zentral ist dabei der Einsatz gegen Diskriminierung und soziale Ausgrenzung sowie die Entwicklung von Angeboten, die an den tatsächlichen Lebenssituationen der Betroffenen orientiert sind. Vor diesem Hintergrund ist eine gendersensible und diversitätsbewusste Suchthilfe für akzept NRW unverzichtbar, um Solidarität zu leben, Chancengerechtigkeit herzustellen und allen Menschen den Zugang zu passgenauer Unterstützung zu ermöglichen.
Das Wissen um die Lebenslagen von Frauen und queeren Menschen bearbeitet die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW kontinuierlich in Form von Fachvorträgen und weiteren Angeboten. Informationen zu aktuellen Veranstaltungen finden sich unter:
Queere Menschen sind in besonderer Weise von Marginalisierung betroffen, was den Substanzkonsum als Bewältigungsstrategie begünstigen kann. Gleichzeitig fehlen repräsentative Daten, da bisherige Studien meist auf hochselektiven, urbanen Stichproben beruhen – ein Umstand, der die Entwicklung passgenauer Hilfsangebote erschwert (Wolf, G. 2017).
Aus diesem Grund führt die Landesfachstelle derzeit eine Umfrage durch, um weitere Perspektiven und Erfahrungen in die Facharbeit einzubeziehen und bestehende Lücken im Hinblick auf die Bedarfe queerer Menschen zu schließen:
Frauen*: Wissenschaftliche Daten liegen vor allem zur Situation von cis-Frauen vor. Für trans, inter und nicht-binäre Personen bestehen weiterhin erhebliche Forschungslücken.
Quellen und weiterführende Literatur:
Bernard, C. (2016): Gender und illegale Drogen: ein Überblick. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 15-44.
Canevascini M. und Kleinhage E. (2023). Stimmen von Müttern mit Suchterkrankung. Stigmatisierung,Herausforderungen und Empfehlungen. Lausanne : Sucht Schweiz.
Covington, S. (2008): Frauen und Sucht, ein traumasensibler Ansatz. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 21-43.
Gahleitner, S. (2008): Sexuelle Gewalterfahrung und ihre Bewältigung von Frauen: Salutogenetische Perspektiven. In: Gahleitner, Silke Brigitta und Connie Lee Gunderson (Hrsg.): Frauen, Trauma, Sucht. Neue Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Ansager Verlag, 45-64.
Heinzen-Voss, D. und Stöver, H. (Hrsg.): Geschlecht und Sucht: Wie gendersensible Suchtarbeit gelingen kann. Pabst-Verlag.
Korte-Langner, S. (2023): Drogengebrauchende, der Sexarbeit nachgehende Frauen - von der Notwendigkeit frauenspezifischer Schutzräume. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 39-50.
Kost, C. und Schiano, D. (2023): 4Be TransSuchtHilfe -Geschlechtliche Vielfalt in der Suchtberatung. In: Lieb, C. und Stöver, H. (Hrsg.): Gender. Frau. Sucht.: Genderfragen in (post-) Corona-Zeiten. Pabst-Verlag, 50-60.
Pfister, A. (2013): Gendersensibel-diversityorientierte Suchtprävention. Grundlagen und Checkliste für den Schulkontext. Zürich, Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich.
Schigl, B. (2018): Psychotherapie und Gender. Konzepte. Forschung. Praxis. Welche Rolle spielt die Geschlechtszugehörigkeit im therapeutischen Prozess? Springer-Verlag.
Tödte, M. (2016): Einflüsse der feministischen Arbeit auf die Suchthilfe in Deutschland. In: Bernhard, Christiane und Martina Tödte (Hrsg.): Frauensuchtarbeit in Deutschland. Transcript-Verlag, 89-100.
Wolf, G. (2017): Substanzgebrauch bei Queers, Dauerthema und Tabu. Reihe: Hirschfeld-Lectures Bd. 12.