Internationaler Tag der Familie

Ein Tag im Leben eines Kindes

Familie steht für Zusammenhalt, Geborgenheit, Sicherheit und Unterstützung – doch das ist nicht immer so. Zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai möchten wir auf die Kinder aufmerksam machen, deren Belastungen oft unsichtbar bleiben. Denn der Alltag von Kindern, die in Familien mit Suchtbelastung oder psychischen Erkrankungen aufwachsen, ist häufig geprägt von Unsicherheit, Überforderung und Angst.

Ein Morgen wie jeder andere

Es ist 7:00 Uhr. Clara wird wach und lauscht erst einmal. Ist es heute ruhig? Oder hört sie schon an der Art, wie die Schritte klingen, wie der Tag werden wird? Sie macht sich und ihrer kleinen Schwester Frühstück, leise, um niemanden zu wecken. In der Schule wirkt sie müde, aber sie lächelt. Sie hat gelernt, dass niemand merken darf, wie schwer es manchmal ist.

Nachmittage zwischen Verantwortung und Unsicherheit

Nach der Schule geht Clara direkt nach Hause. Sie weiß nie, was sie erwartet: Ist Mama heute ansprechbar? Klappert es in der Küche und Mama kocht? Oder liegt sie erschöpft im Bett? Muss Clara sich um den Haushalt kümmern, um ihre kleine Schwester, um alles, was eigentlich nicht ihre Aufgabe ist? Sie möchte auch gerne draußen spielen und ihre Freund*innen treffen, aber oft bleibt hierfür kein Raum.

Abende voller Fragen

Während andere Familien gemeinsam zu Abend essen, sitzen Clara und ihre kleine Schwester häufig allein am Tisch. Sie machen gemeinsam Abendbrot, räumen weg und spülen. Sie schauen nach Mama. Sie sorgen sich um sie und Clara fragt sich, ob es morgen anders sein wird. Manchmal ist sie so müde.

Warum wir heute darüber sprechen

Kinder wie Clara tragen Verantwortung, die viel zu groß für ihre Schultern ist.

Zum Internationalen Tag der Familie erinnern wir daran, dass Familie nicht für alle ein sicherer Ort ist. Kinder aus Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchtbelastungen brauchen Aufmerksamkeit, Verständnis und Unterstützung – von uns allen. Wir möchten ihnen heute eine Stimme geben und hervorheben, wie wichtig es ist hinzuschauen und Unterstützung anzubieten. Damit dies gelingt, brauchen wir ein möglichst lückenloses Netz im Hilfesystem – getragen von all den relevanten Akteur*innen der Jugendhilfe, aus dem Gesundheitswesen, den Kitas und den Schulen. Nur gemeinsam können betroffene Kinder erreicht und gestärkt werden.